Manaslu Trek – Wo er am schönsten ist

Die Fahrt beginnt. Ich werde in Thamel, Kathmandus Touristenviertel, abgeholt. Wir fahren zu dritt: Mein Guide Chakara, der Fahrer und ich. Unterwegs werden wir Mikas, meinen Porter, einsammeln. Chakara und Mikas werden mich in den nächsten Tagen begleiten und durch das Himalaya führen.

Den Manaslu Trek oder auch Manaslu Circuit kann man in SotiKhola oder Machhakhola beginnen. Ich beginne in SotiKhola. Für 2 oder 2,5 Stunden führt eine asphaltierte Straße durch grüne Landschaften und kleine Orte. Danach zweigen wir ab und nehmen den wackeligen und sowohl Jeep als auch Insassen durchschüttelnde steinige Straßen.  In Deutschland würden wir vermutlich Feldwege sagen, allerdings mit mehr losem Gestein und einigen… Schlaglöchern und Unebenheiten). Wir fahren durch Bananenplantagen und wiederum kleine Ortschaften mit 3 oder 4 Häuschen. Die Einwohner sitzen am Tisch und unterhalten sich. Sie waschen Wäsche in einem Brunnen-ähnlichen Zement-Becken. Aus dem Schlauch läuft beständig Wasser. In Metall- oder Plastikwannen wird die Wäsche eingeweicht, danach mit der Hand gewaschen und zum Trocken auf Steinmauern oder Dächern abgelegt. Manchmal sieht man auch Wäscheleinen, auf denen Hosen, T-Shirts und Pullis hängen.

 

Unterwegs halten wir an einem Ort, in dem Chakaras Schwester lebt. Wir setzen uns an einen Holztisch und trinken Tee. Es fühlt sich sehr nah an neben den Einwohnern zu sitzen und doch bin ich noch weit entfernt. Ein Beobachter von außen. In dem kleinen Topf wird Reis gegart.

Die Fahrt geht weiter Richtung SotiKhola. Ich lasse mir den Wind um die Nase wehen. Wir passieren weitere Bananenbäume, kleine Dörfer und hunderte Hunde, die entspannt durch die Gegend trotten oder im Schatten liegen. Die Hunde hier sind… easy going. Sie bewegen sich kaum, wirken eingeschüchtert und sind wie es aussieht kleine Streuner im Dorf. „Ugur“ heißt Hund auf nepalesisch.

Die Mittagspause verbringen wir auf einer Art Platz, auf dem ein kleiner Tempel und ein vielleicht 30m langes Gebäude mit Wellblech steht. Hühner schwirren durch die Gegend, ein Hund bellt und die Einwohner sitzen im Schatten, trinken Wasser. Eine weitere Touristengruppe steht da: Vier Deutsche mit deutsch-sprachigem nepalesischen Reiseführer. Wie ich schwitzen sie, trinken gekühltes Wasser. Später auf dem Trek werde ich sie wieder treffen.

In der offenen Küche beobachte ich, wie das Essen zubereitet wird. Alles wird frisch geschnippelt und in Pfannen und Töpfe verteilt. Ich wähle Daal Bhat, wie die Einheimischen es auch Chakara, Mikas und unser Fahrer essen. Allerdings nicht scharf 🙂

Nach weiteren etwa 2 Stunden kommen wir in SotiKhola an. Es regnet in Strömen und wir Printen aus dem Auto in den Gastraum der Unterkunft. Mein Zimmer sehr einfach, direkt am Fluss gelegen, mit eigenem Bad.

Am nächsten Morgen geht es weiter nach MachhaKhola. Wir wandern ca. 4 Stunden auf einem Fahrweg entlang des Flusstals mit Wasserfällen, die auf die Straße platschen und unter denen man ohne Schirm einfach nur nass bis auf die Knochen wird. Entlang eines weiten Tales erheben sich Dschungel-Hänge. Vereinzelt verstecken sich kleine Häuschen aus Blech oder Stein in den Hügeln.

Angekommen in MachhaKhola empfängt mich das Dorf mit neugierigen Blicken der Einheimischen. Kinder sitzen zusammen und spielen. Erwachsene werkeln in ihren kleinen Lädchen und schauen durch die Gegend. Ein netter Ort mitten im nirgendwo. Die Übernachtung ist im Everest Guesthouse. Die Zimmer sind ganz nett, man kann oben im Freien sitzen. Lesen, Karten spielen oder einfach nur faulenzen.

Ein verträumter kleiner Ort, nicht länger als 200m und umgeben von Dschungel.

Am nächsten Tag geht es weiter nach Jagat. Der Weg wieder durch Dschungel, über Hängebrücken und schmaler werdende Pfade. Die ersten Esel begegnen uns und ich stapfe vorsichtig durch den ganzen Donkey-Poop. Wasser gibt es auch hier mehr als genug. Es sprudelt überall hervor. Die Hängebrücken werden mich noch die nächsten Tage begleiten, der Donkey-Poop auch 🙂 Nach 2 Tagen Eselmist… ist es egal, ob man reintritt oder nicht. Der nächste Wasserlauf wird sowieso zur „Reinigung“ der Schuhe genutzt. Ich komme langsam in meinen Geh-Rhythmus und höre auf mich. Die Routine schleicht sich ganz langsam ein: Aufstehen mit Porridge oder PanCake und Kaffee, Vormittags gehen und schwitzen, Mittagspause für 1 oder 2 Stunden und dann weiter bis zur Unterkunft. Auch das tägliche Ein- und Auspacken geht immer schneller. Angekommen in Jagat treffe ich auf ein niedliches Dorf, das mehrheitlich uns kleinen Steinhäusern besteht. Dort haben viele Trekker Platz, aber auch die Dorfbewohner leben dort ihren Alltag und man kann ihnen gut anbei zusehen.

Deng ist das nächste Ziel. Die Unterkunft hier hat mich zum Lachen gebracht, weil ich so herrlich überrascht war. Ich hatte keine großen Erwartungen… Aber DAS Guesthouse war der Knaller. Wie… eine Gartensparte oder ein Holzverschlag mit Bett oder… ich weiß nicht wie ich es erklären soll. Seht es euch selbst an. Es war einzigartig!

Großartig, oder? Einfach nur nett mit allem, was man braucht auf dem Trek: Warmen Tee, gutes frisches Essen aus dem Garten, ein gemütliches Bett und die nepalesische Toilette gleich nebenan.Wenn das nix ist!

Der Weg führt uns weiter nach Namrung. Das war für mich der anstrengendste Teil der Tour. Ein ständiges Auf und Ab, durch Wald und Schlamm und Nässe. Eselherden ziehen vorbei und ehrlich: Es ging einfach nur hoooooch und wieder runter, über paar Stunden. Kurz vor Namrung trafen wir auf eine Apfelplantage, wo Äpfel (ha, was sonst!) verkauft wurden. Auch in der getrockneten Variante. Davon habe ich eine Packung mitgenommen. Sehr lecker und fruchtig- und viel leichter als die frische Variante 😉

Namrung ist ebenfalls ein schönes kleines Dorf mit vielen lieben Menschen, einigen Gasthäusern und natürlich leckerem Essen. Hier hatte ich meine erste „Bucket-Shower“. Nach einem langen Tag musste eine heiße Dusche einfach sein! Leider war nur kaltes Wasser verfügbar, das etwas kläglich aus dem Duschkopf kam. ABER: Ein Eimer kochend heißes Wasser aus der Küche, gemischt mit dem kalten Wasser aus dem Wasserhahn war ein wahrer Hochgenuss! Zugegeben: Keine Dusche, aber warm UND gefliest. Irre!

 

Lho, der Ort mit einem sehr netten Gastgeber, heißen Ofen und so viel frischem Gemüse im Garten, dass ich mich frage, wer das alles essen soll. Aber klar, hier wird dann geerntet und „eingekocht“, getrocknet oder eingekellert. Ein sehr ruhiger Ort. Mittlerweile sind wir auf 3.157m angekommen. Die Luft und Temperaturen hier oben sind toll!

Weiter nach Samagaun, ein Ort, in dem es nach Expedition und Abenteuer riecht. Hier auf 3.530m landen Hubschrauber, die zum Manaslu Basecamp fliegen. Hier ist schon etwas mehr los, vor allem die Geräusche ringsherum. Ein Kanadier sitzt im Gastraum unserer Unterkunft. Er kommt vom Manaslu Peak und schlurft eine heiße Suppe. Etwa Mitte 60, würde ich schätzen. „I have some spots and Adventures on my bucket list, Manaslu was ohne of those.“ Bewundernswert, es ist eben nie zu spät seinen Träumen zu folgen. Bilder von Samagaun findet ihr auf dem Post hier https://www.widewildworld.de/2022/09/30/weite-und-stille-akklimatisierung-in-samagaun/ und hier https://www.widewildworld.de/2022/09/29/samagaun-der-stolz-der-schueler/.

 

Am nächsten Tag verlassen wir Samagaun und streben nach Samdo, ein verlassener Ort. Ein paar wenige Trekker bleiben hier auf 3.690m über Nacht. Es ist nichts, aber wirklich auch gar nichts los. Zudem: Am Samdo bis Dharapani gibt es weder Elektrizität noch Handyempfang. Wichtig also: Ein Buch, gute Musik oder genug Stoff, über den man nachdenken kann. So gesehen eine perfekte Auszeit, um seinen Gedanken nachzuhängen und in die Ferne zu starren. Von hier aus ist es noch eine Halbtagestour bis Dharamsala, von wo aus es über den Pass nach Bhimtang geht.

Zum Aufstieg auf den Larke Pass schreibe ich einen separaten Artikel. Der war einfach besonders. Der Weg nach Dharamsala, dem unwirklichen Ort, kennt ihr schon. Also nehme ich euch mit auf einen kleinen Zeitsprung: Nach Bhimthang. Ein wunderschönes Dorf, idyllisch gelegen und eingebettet in ein fantastisches Bergpanorama. Der Weg dahin ist steil bergab. Vom Larke Pass auf 5.106m wandern wir auf 3.590m runter. Angenehm zu atmen, eine Herausforderung für Beine und: Konzentration. Der Abstieg ist geröllig, hat einige hohe Stufen. Ich war ehrlich froh, meine Wanderstöcke zu haben.

 

Dharapani, Treffpunkt der Manaslu und Annapurna Runde. Bis hierher erlebt man noch einiges an tollen Landschaften. Flüsse, Berge, Wälder und kleine Dörfer. Dharapani selbst ist klein, hat nicht sehr viel zu bieten und dient als Start- bzw. Endpunkt zweier bekannter Circuits im Himalaya. Hier endet der Manaslu Trek. Ok, man könnte innerhalb von 3 Tagen weiter nach Besisahar wandern. Der Weg führt über eine nepalesische Straße (= steiniger Feldweg) hinab, vorbei an kleinen Gsthäusern und Restaurants. Landschaftlich geprägt von Dschungel und Wasserfällen. Ich hab mich für die Rückfahrt mit dem Jeep entschieden, da die Guides den Weg als oft befahren und nicht wirklich schön beschrieben haben. Der Manaslu Trek endet hier und so auch meine erste größere Etappe. Zum Abschluss sitzen alle, die ich unterwegs getroffen habe, an einem großen Tisch mit 2 Tellern Popcorn in der Mitte und ein oder zwei kühlen Getränken. Geschafft! Angekommen! Morgen geht es mit dem Jeep nach Pokhara zum Entspannen.

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