Weite und Stille – Akklimatisierung in Samagaun

Zwei Tage in Samagaun, dem Startpunkt der Manaslu-Expeditionen, scheinen zu Beginn viel. Denn es ist wie jedes andere Dorf klein, besteht aus Gasthäusern. Doch der Schein trügt…

Angekommen in Samagaun sehe ich viele Steinhäuser, matschige Wege und ja, auch Esel sowie ihre Hinterlassenschaften: The donkey poop 😉 Wir beziehen die Unterkunft, auch hier wie immer sehr schlicht und einfach gehalten. Es gibt heiße Duschen, juhuuu! WiFi wird angeboten, funktioniert allerdings nicht. Rückblickend muss ich sagen: Egal! In dem Moment, so in der Abgeschiedenheit, fühlte ich Isolation in meinem ganzen Körper. Fluchtreflexe, die sich breit machen. Aber mal ehrlich: Der weg nach vorn ist kürzer als der Weg zurück. Und so schaffte ich es tatsächlich mich runterzufahren, zu entspannen.

Eine warme Dusche hilft. Heute ist das Wetter auch toll, die Sonne lacht und wir sehen tatsächlich fast zum ersten Mal irgendwelche Berge und schneebedeckte Gipfel. Was für ein Erlebnis! Die Stimmung steigt und ich freue mich auf die kommenden Tage. Im Gastraum das übliche: Mittagessen, Tee trinken, ausruhen und lesen. Ein Ritual, das ich mir aneigne und das ich auch genießen kann. Der Nachmittag und Abend vergehen wie im Flug. Heute ist Waschtag angesagt. Die Sonne sollte trotz der geringen Temperaturen die Klamotten trocknen, trotz Handwäsche und ohne Schleudergang. Und tatsächlich, am Abend ist fast alles getrocknet, bis auf die dickeren Socken. Aber egal, die müssen morgen trocknen, wir haben ja zum Glück 2 Tage hier in Samagaun.

Der nächste Tag kommt und beginnt mit einem tollen Frühstück: Porridge mit Honig und Äpfeln. Der Wahnsinn! Und schon geht es los zur Akklimatisierungswanderung.

Ziel ist das etwa 4500m hoch gelegene Kloster oberhalb von Samagaun. Der Himmel ist noch relativ klar. Ein paar Wolken ziehen durch. Der Aufstieg ist nicht sehr anstrengend. Der Weg führt über Bäche und Steine stetig bergauf. Unterwegs begegnen mir Yaks und Kühe. Massive Tiere. Manche haben bunte Wimpel an den Ohren in unterschiedlichen Farben. Sie zeigen, wem die Tiere gehören. Yak-Besitzer werden in Nepal als reich angesehen. So ein Tier kostet wohl mehrere Hundert Dollar.

 Der Weg schlängelt sich weiter nach oben, auf ein Plateau auf 4500m. Ich komme mir vor wie in Norwegen, zumindest von den Bildern, die ich bisher von Norwegen gesehen habe.

Pferde und Yaks laufen umher in freier Wildbahn. Sie grasen auf der Hochebene, der einsetzende Regen macht ihnen nichts aus. Nach etwa 4 Stunden erreichen wir das Kloster. Es ist leider zu der Zeit nicht mehr bewohnt. Alles ist verschlossen, niemand da. Wir nutzen dennoch die Zeit für eine ausgedehnte Pause, zumal sich der Regen intensiviert und dicke Tropfen vom Himmel auf den Boden platschen und so die matschigen Wege und sich sanft dahinschlängelnden Wasserläufe nähren. Wir verkriechen uns in einen Verschlag, der zum Glück offen stand. In einem Steinhaus mit Wellblechdach. Und wieder trommelt der Regen aufs Blech. Ich ziehe mir meine warme Fleece-Jacke über, es wird doch recht schnell kühl hier oben, ohne Sonne.

Mit warmem Tee und interessanten Gesprächen mit anderen Trekkern verbringe ich die Pause. Der Regen klingt ab und wir entscheiden uns für den Abstieg. Dieselbe Strecke geht es zurück und ich lasse die Weite der Hochebene auf mich wirken und atme alles ein, was mich umgibt. Ein besonderes Erlebnis, das mich lange begleiten wird.

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