Was ich vom Chaos lerne?

Lifestyle and Travel

Das Chaos scheint hier überall zu sein. Chaos, ein Wort, dem man viel zu oft und zu schnell einen negativen Touch verleiht. Warum ist das so und kann man lernen mit dem Chaos umzugehen?

Nepal, es scheint über all chaotisch, unstrukturiert und ja: Auch arm. Damit muss ich umgehen lernen. Das kenne ich gar nicht. Unbekannte Sprache, unbekanntes Essen und ja, fremdartig aussehende Menschen. Ich habe das nie gedacht, dass das eine derart große Herausforderung für mich ist. Eine Herausforderung voller Nervosität, fehlendem Vertrauen in mich und meine Fähigkeiten. Anzunehmen, an ein Volk andocken zu können, das doch so sehr anders tickt und funktioniert als wir das tun. Im schönen Europa (sicher, auch da ist nicht alles toll und schön) ticken die Uhren völlig anders als hier. Nepal, ein Land ohne feste Struktur. Aus Graus für mich. Ich bin immer strukturiert, habe immer einen festen Ablauf. Aufstehen, Arbeiten, zwischendurch mal Sport und abends… Essen, irgendwann ins Bett gehen. Festes Ritual war im letzten halben Jahr abends die Reise zu planen. Jetzt bin ich hier, und mir fehlen Rituale. Kann ich die Reise genießen? Ja, manchmal 🙂 An Tagen wie gestern oder vor 2 Tagen fällt es mir schwer. Da saß ich nämlich rum und habe gewartet, bis der Trek startet. Gar nicht mein Ding! Ohne festen Ablauf einfach nix machen und nicht wissen, wie es werden wird. Wird es mir gefallen? Wie sind die Leute? Wer ist das Team? Wird es ein netter Guide? Alles so Fragen… die ich erst beantworten kann, wenn es losgeht. Aber mein Kopf will es schon JETZT wissen. Also… nein- das stimmt nicht ganz. Ich schiebe meinen Kopf an, dass er JETZT wissen soll, wie es sein wird. Aber ehrlich, lieber Kopf: Ich muss mich bei dir entschuldigen… das ist zu viel verlangt von dir!

Also versuche ich die Dinge anders anzugehen. Ein Beispiel, ganz aktuell: Heute sollte der Trek starten (By the way: Die Nacht war furchtbar :D). 4:50 Uhr aufstehen, kurz waschen, packen und ab ins Taxi. Am Flughafen heilloses Durcheinander, es ist heiß und feucht. Richtig subtropisch! Gepäck abgeben, dann sitzen und warten. Wieder dieses Warten… mein Gemütszustand katastrophal. Müde, verschwitzt, schlechte Luft, nix behalte ich wirklich im Magen, die Nervosität zermürbt mich. Das Wissen-Wollen, wie es sein wird macht mich verrückt! nach 2,5h sitzen und warten wird der Flug gecancelt. Schlechtes Wetter. Wie es morgen aussehen wird? Vermutlich genauso, die nächsten paar Tage sehen „verhagelt“ aus. Meine Intuition: Flucht! Nicht warten, nicht bei der Hitze, nicht in dem Ort Nepalgunj nahe der indischen Grenze. Hier ist nix los, ich fühle mich unwohl… Es geht ja doch nicht los! Also haben wir den Rückflug nach Kathmandu gebucht, also ich habe entschieden, mein Guide hat gebucht. Wow, war das eine kleine Erlösung. Es geht zurück in „bekanntes“ Terrain. Und dann? Wie weiter? Ein anderer Trek? Ja klar! Alternativen finden, umplanen, die Situation nehmen und Lösungen finden. Wie im Job! Und das kann ich ganz gut. Also… mach ich das wohl jetzt mal öfter für mein Leben, für MEIN Reiseprojekt.

Momente nehmen, wie sie sind. Situationen in der Situation selbst meistern. Was weiß ich, was mir in 5 Minuten um die Ecke läuft. Kann ich doch gar nicht wissen. Und mein armer Kopf kann schon gar nicht Lösungen für Eventualitäten ausdenken und durch die Mangel drehen. Der soll mal schön die aktuellen Situationen im Blick behalten und dann arbeiten, wenn er muss. 

Lieber Kopf, liebes Herz, lieber Magen: Das kommt euch hoffentlich entgegen 🙂

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