Chaos, Hupen und schlechte Luft. So könnte man Kathmandu kurz umreißen. Es ist jedoch so viel mehr…
Thamel, das Touristenviertel Kathmandus. In europäischen Gefilden würde man vermutlich „Altstadt“ dazu sagen. Allerdings vermittelt Altstadt ein meiner Meinung nach falsches Bild. Man stellt sich historische Gebäude vor aus der Renaissance oder Barockzeit vor. Prachtvolle Gotteshäuser und Königspaläste. Alt-ehrwürdige Wohnhäuser und freie Plätze mit spätgotischen Portalen.
Das ist in Kathmandu ganz anders. Im Stadtteil Thamel wimmelt es von Motorrädern und Menschen. Alles ist vollgestopft mit Shops für Outdoor-Enthusiasten. Kleine Garküchen mit mehr oder weniger gut riechenden Gerichten. Drogerien, Apotheken und Technikverkäufen.
Unter neuartige Artikel wie Elektronik, Nähmaschinen und Handys mischen sich Kunsthandwerk auf nepalesische Art. Masken, geschnitzte Elefanten, Klangschalen und allerlei Mandalas. Bilder diverser Gottheiten wie Shiva, Veshnu und Buddha. In Nepal hat übrigens jede Familie einen eigenen Gott. Deshalb gibt es auch tausende verschiedene Gottheiten. Aber dazu mal mehr in einem anderen Beitrag 🙂
Kommt man um die nächste Ecke, duftet es nach Räucherstäbchen und Gewürzen. Säcke mit den unterschiedlichsten Kleinhölzern stehen am Eingang eines Shops und warten auf fleißige Käufer. Patchoulis und Räucherstäbchen lassen sich daraus mit Sicherheit gut herstellen.
Weiter zum Durbar Square. Immer mehr Motorräder bahnen sich ihren Weg durch Fußgänger, kleine Autos und Riksha-Fahrer. Sie hupen ich ihren Weg frei, wobei es nicht aggressiv wirkt sondern eher warnend. Niemand „steht“ für der Hupe, wie wir es von anderen Ländern kennen. Das Hupen wirkt eher wie ein Warnung: „He, du läufst auf meiner Fahrbahn!“ oder „Achtung, ich überhole gleich!“. Nicht zu vergessen: Hier herrscht Linksverkehr. Am besten läuft man also auf der linken Straßenseite, dann wird man einfach rechts überholt und läuft nicht in den Gegenverkehr rein.
Frisches Obst und Gemüse wird an fast jeder Ecke verkauft. Keine Massen, kleine Mengen Gemüse, das sicherlich irgendwo aus den umliegenden Gärten wächst und zum Lebensunterhalt verkauft wird. Gurken, grüne Bohnen, Sellerie und Rettich. Manchmal ich Kartoffeln und Möhren oder Spinat-ähnliche Blätter.
Angekommen am Durbar Platz
Am Eingang kommen wir zu einem kleinen Ticket-Schalter, den wir fast übersehen. 1000 Rps für Ausländer. Fast sofort werden wir von Tourist Guides der Regierung und auch eigenständigen Guides belagert und um eine Führung gebeten. Darauf haben wir eigentlich keine Lust. Heute wollten wir einfach mal über den Platz bummeln und uns ein Bild verschaffen von den verschiedenen Tempeln und Gottheiten. Bei dem Versuch sind wir allerdings gescheitert. EIn sehr hartnäckiger Guide überzeugte uns ihn doch zu buchen. Wir gingen vor und er erzählte über Nepal, die Geschichte der Tempel und des Platzes insgesamt. Eine Mischung aus eigenem Rhythmus wie wir es wollten und geführter Tour. Nach 30 Minuten gaben wir ihm sein Honorar und bedanken uns für die Führung. Er verschwindet in einer kleinen Gasse…
Es gibt eine Menge zu sehen, hier am Durbar Square. Kleine und große Tempel, Gottheiten wie den Gott der Gerechtigkeit. Vor vielen Jahren war die Kriminalität sehr hoch im Land. Der König brachte einen Sündigen vor diese Gottheit und köpfte ihn in Leer Öffentlichkeit. Die Figur hat noch heute den Kopf in der Hand und steht mit einem Fuß auf dem toten Körper. Es schreckt alle gläubigen Nepalesen ab Straftaten zu begehen. Die Kriminalitätsrate sank. Noch heute fürchten Nepalesen den Gott.
Betrachtet man den Platz von oben, wirkt alles sehr aufgeräumt. Der Trubel scheint weit weg. Man kann den Swayambunath Tempel sehen, den Palast des Königs und die umliegenden Hügel des Kathmandu-Tals. Entspannt schlürfen wir Cola und Lassi und trinken einen Kaffee. Die Ruhe genießen, bevor es wieder runter in die Gassen geht.
Abstieg in den Trubel. Wir wählten den Weg durch die Engen Gassen rund um die Freak Street. Auch hier wird alles angeboten, was man nur verkaufen kann. Obst, Gemüse, Süßigkeiten, frische Fleisch und zwischendrin nette kleine Cafés und winzige Hotels.
Mein Eindruck von Kathmandu: Eine Stadt, um sich zu verlieren. Verlieren im Chaos, in trubeligen Gassen und sich wiederfinden auf freien fast organisiert wirkenden Plätzen, auf denen Plunder und Souvenirs verkauft werden. Für mich definitiv ein Must-See, wenn man in Nepal ist. Sich dem Hingeben und einordnen, als kleiner Baustein einfügen in das Leben auf der Straße. Und dennoch von allen anderen ringsherum als Fremdkörper, als anders-artig betrachtet. Als das, was man ist: Tourist!







