Ein Besuch in Moskau mit besonderen Eindrücken

Moskau ist ein Gedicht! Eine Stadt voller Poesie und Melancholie. Moskau ist einer der Orte, der mich emotional tief berührte. Angekommen und eingetaucht in Wellen von Gedichten, Musik, Emotionen und Geschichte. Keine Schwere, jedoch voller Melancholie und süßem Schmerz.

Ich gehe durch die Straßen und beobachte meine Umgebung. Stolz und erhaben, chic angezogen laufen Frauen an mir vorbei. Männer unterhalten sich bei einem Glas Bier. Junge Menschen bauen eine Bühne auf und laden an einem Sonntag zum Tanzen und lernen ein. Gefüllte Cafés, romantisch-melancholische Musik und eine schwer zu beschreibende Weite in den Straßen. Es ist sauber, es strotzt vor Stolz und Herrlichkeit. Eine Nation mit Identität, die Stärke ausstrahlt.

Am Abend. Ich gehe weiter durch die Straßen, überall Menschen, Restaurants, Cafés. Ich bleibe stehen vor einem Restaurant, aus dem Musik herauskommt. Die Fenster weit geöffnet, drinnen ein Tisch mit 3 Frauen und 5 Männern besetzt. Sie unterhalten sich in einer so schön poetisch klingenden Sprache, die ich nicht verstehe. Es ist Russisch, ja. Und es klingt wahnsinnig sanft. Was sie sagen klingt wie Poesie. Sie winken mich rein, zu einer Tasse Tee. Und zwei Vodka, wie sich später herausstellt…

Und was dann passiert, ist schwer zu beschreiben. Es bewegt mich, verändert meine Sicht auf die Welt gänzlich und lässt mich schwelgen in Zeiten, als ich Kind war, viel gelesen und Gedichte vortragen geliebt habe. Einer der Männer, Alexander, steht auf. Er tritt an die Bar, dreht sich zu beiden Tischen um und rezitiert ein Gedicht. Ich verstehe kein Wort. Und doch komme ich nicht umhin zuzuhören, seinem Ausdruck zu folgen und die Gefühle, die er da vorn vor allen Gästen in die Worte packt und ihnen freien Lauf lässt. Ich fühle mich wohl zwischen diesen doch fremden Menschen. Menschen, die mich einladen auf Tee und Vodka; die mich teilhaben lassen an ihren Werten und Emotionen. Für diesen kleinen Moment, in dieser riesigen Welt. Zufällig hier in Moskau.

Die Sprache so kunstvoll gesprochen, jedes Wort klingt wie ein Gedicht für sich. Ich lerne russisch und fühle die Tiefe der Traditionen, der russischen Seele und ihre Ambiguität in dieser Welt. Ich spüre ihre Ausdruckskraft und Zerrissenheit im Hier und Jetzt.

Später. Ein junger Student springt mir entgegen, spricht mich auf Russisch an. Er möchte mir sein selbst geschriebenes Gedicht vortragen. Er glüht vor Stolz und Hingabe, will seine Gefühle in die Welt schreien! Seine Liebe zur Poesie ist unübersehbar und berührt mich in diesem Moment so sehr, dass sich meine Augen mit Tränen füllen. Ich stehe mitten in Moskau, in einem Künstlerviertel, wie mir scheint, und weine still. Nie habe ich Menschen mit so viel Stolz, Hingabe und Tiefe getroffen, wie hier in Moskau.

Moskau…

Die U-Bahnen sind – genau wie alle sagen – wunderschön gestaltet. Doch gibt es hier keine Hektik, kein wildes, kantiges Hin- und Hereilen von einem Gleis zum anderen. Es ist geordnet, fast schon sanft und mild wirkt es. 

Die Tiefe der U-Bahnen habe ich noch nirgendwo anders so gesehen. Hier zeigt sich die Schizophrenie erneut: Sicherheit und Rückzug vor eventuellen Gefahren gepaart mit praktischer Transportmöglichkeit.

Ist der Krieg hier allgegenwärtig? Nein. Jeder lebt seinen Alltag und genießt das Leben. Drängt alles andere zur Seite, in eine nicht einsehbare Ecke des Raums. Und weiß genau, was zu tun ist im Fall der Fälle.

Ohne Zweifel sind die Russen einzigartig in ihrer Art und Weise das Leben zu leben. Ambiguität hin oder her: Dem Sog dieses Landes kann ich mich nicht entziehen und ich weiß schon bei der Abreise: Ich werde zurückkommen.

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