Usbekistan – Kultur, Gastfreundschaft & Zugabenteuer

Usbekistan – ein Land, das nicht nur mit beeindruckender Architektur und jahrtausendalter Geschichte begeistert, sondern vor allem durch seine Menschen: Unglaublich herzlich, stolz auf ihre Kultur und sehr gastfreundlich. Eine Reise durch die Städte Taschkent, Samarkand, Buchara und Chiwa ist ein Eintauchen in eine Welt voller Kontraste, Farben und Geschichten.

 

Taschkent: Zwischen Tradition und Moderne

Meine Reise beginnt in Taschkent, der Hauptstadt Usbekistans. Eine Stadt, die Moderne und Tradition auf faszinierende Weise verbindet. Breite Boulevards, sowjetische Baukunst und moderne Cafés treffen auf orientalische Basare, kunstvolle Moscheen und viele herzliche Begegnungen.

In der Altstadt schlendert man durch Gassen, vorbei an Handwerksstätten und alten Lehmhäusern. Ein Muss ist der Chorsu-Basar – das pulsierende Herz Taschkents, wo frisches Obst, Gewürze und usbekische Spezialitäten wie Plov (Reisgericht mit Fleisch und Gemüse), Samsa (gefüllte Teigtaschen) und traditionell gebackenes Fladenbrot angeboten werden. Überall ein Lächeln, eine Einladung zum Tee, ein ehrliches „Willkommen“. Auch ein Willkommen zum gemeinsamen Brot-Backen inmitten einer riesigen Backstube. Teig kneten, Brote formen und anschließend stempeln mit einem Tschekitsch. Das Stempeln des Brotes ist ein traditioneller Akt, der dem Brot nicht nur ein schönes Aussehen verleiht. Der Teig geht nicht so weit auf. Und dann… ab in den traditionellen Lehmofen für nur wenige Minuten. Übrigens wird das Brot nicht mit dem Messer zerteilt sondern mit der Hand gebrochen.

Top 3 Sehenswürdigkeiten in Taschkent:

  • Khast-Imam-Komplex: Beherbergt den ältesten erhaltenen Koran der Welt.
  • Museum für Angewandte Kunst: Präsentiert traditionelles usbekisches Handwerk.
  • Unabhängigkeitsplatz: Monumentale Sowjet- und Modernelemente vereint an einem Ort.
  • Chosur Bazar: In der Mitte der Stadt lädt er ein Obst, Nüsse, getrocknete Früchte oder auch Kleidung, Haushaltsmittel, Accessoires und Souvenirs.

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Samarkand: Spannende Kultur und ruhige Ecken

Mit dem Zug geht es weiter nach Samarkand. Es dauert nur etwa 2,5h mit dem Afrosiyob von Tashkent nach Samarkand. Bequem in der zweiten Klasse, die der im deutschen ICE gleicht. Der Unterschied: Es wird auch in der zweiten Klasse etwas zu essen serviert. Kleine Snacks und Wasser und Tee, so zu sagen wie im Flieger auch. Die Fahrt ist super komfortabel, die vorbeirauschende Landschaft wechselt zwischen kleinen Ortschaften bis hin zu kargen Landschaften. Sehr spannend zu beobachten.

In Samarkand selbst habe ich 3 Nächte verbracht. Mit einer wunderbaren Partnerin, die in Taschkent ihre Reiseagentur UZHolidays betreibt, habe ich das Hotel ausgesucht und genießen dürfen. Wundervoller Service, tolles Essen und mega Spa-Bereich.

In Samarkand schnappte ich mir einen Local Guide, der mich durch einen Teil der Altstadt führte und beeindruckende historische Erzählungen mit mir teilte. In diese Geschichte musst du einfach eintauchen! Es ist sooo beeindruckend die Herrscher der Vergangenheit und ihr Wirken kennenzulernen. Für mich als Sprachbegeisterte sind die Veränderungen und der Zusammenhang zwischen den Staaten in Zentralasien extrem spannend. Der Usbeke versteht den Türken, er kann tadschik verstehen, weil es in Buchara eine Zeit lang gesprochen wurde. Persisch, islamische Architektur und später der russische Einschlag in die Sprachkultur sind einfach grandios! Auf jeden Fall wert in diese Regionen einzutauchen.

Was tun in Samarkand:

  • Der Registan-Platz
  • Observatorium von Ulugbek
  • Schah-i-Zinda Ensemble ist sehr beeindruckend
  • Amir Temur Mausoleum
  • Bibi-Khanym Moschee
Meinen Besuch im Afrasiyab Museum war ebenfalls sehr fesselnd. Schnapp dir auch dort einen Guide, der ausschließlich im Museum führt. Er ist Historiker und weiß so viel über die Kulturen, verschiedenen Stämme und Entwicklungen von Marokko, über den Iran bis hin nach China. Ein wandelndes Lexikon und zugleich sehr einladend und begeisternd.

Buchara: Ein lebendiges Freilichtmuseum

Mit einem komfortablen Zug der Uzbek Railways geht es in der 1. Klasse weiter nach Buchara. Die Fahrt ist ruhig und bietet weite Ausblicke auf die Landschaft gespickt mit Baumwollfeldern, Steppen-ähnlichen Flächen und winzigen Ortschaften.

Der Trubel am Bahnhof liegt schnell hinter mit. Ein Yandex-Taxi bringt mich in wenigen Minuten zur Altstadt. Hier angekommen, fühlt man sich wie in einem Märchen aus 1001 Nacht. Die Altstadt, UNESCO-Weltkulturerbe, ist ein einziges Freilichtmuseum: Lehmbauten, Medresen mit kunstvollen Kacheln, Moscheen und Minarette erzählen tausende Geschichten vergangener Zeiten. Und doch ist Buchara kein rein musealer Ort – es ist lebendig und voller Seele.

In schattigen Innenhöfen trifft man auf Musiker, Kalligrafen und junge Designer, die alte Traditionen neu interpretieren. Abends lohnt sich ein Abendessen in einem der traditionellen Innenhof-Restaurants – mit Schaschlik, Lagman (herzhafte Nudeln, oft angebraten) und Halva zum Dessert.

Buchara strahlt eine Ruhe aus, die ich selten in Städten erlebe. Klar, der Hauptplatz wird am Abend zu einer kleinen Touristenattraktion. Bunte Lämpchen zieren Bäume und Gassen, Einheimische und Touristen kommen zusammen und genießen den warmen Abend kurz vor und nach Sonnenuntergang. Insgesamt ein buntes Treiben, das sich wundervoll in die umliegenden Gebäude schmiegt. Ich mag diesen Ort sehr, er erinnert mich an vergangene Zeiten, von denen ich als Kind nur geträumt habe.

Top 3 Sehenswürdigkeiten in Buchara:
  • Kalon-Moschee & Minarett: Majestätische Aussicht und ikonische Baukunst.
  • Samaniden-Mausoleum: Eines der ältesten erhaltenen Gebäude Zentralasiens.
  • Lyabi-Hauz-Komplex: Ein ruhiger Platz umgeben von Geschichte.

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Chiwa: Die verzauberte Festung

Die nächste Etappe führt mich im Nachtzug, diesmal in der 2. Klasse mit Schlafwagen, nach Chiwa. Die Fahrt ist einfach, aber atmosphärisch schön: Gespräche mit Mitreisenden, der Duft von Tee und das rhythmische Rattern der Schienen unter dem klaren Sternenhimmel Zentralasiens.

Chiwa empfängt mich wie ein Traum. Die gesamte Altstadt, Ichan Qala, ist von gewaltigen Lehmziegelmauern umgeben und wirkt wie aus der Zeit gefallen. Kleine Cafés mit Blick auf blaue Kuppeln, kunstvolle Holzschnitzereien an Türen und Decken, und das Spiel von Licht und Schatten in den engen Gassen lassen mich den Alltag vergessen. Ich fühle mich in eine Zeit katapultiert, voller Wärme, Geborgenheit und duftenden Gerichten. Ich sitze im Schatten und schaue dem Treiben zu. Kinder beim Fußballspielen oder mit Luftballons in der Hand, alte Männer spielen Karten und Frauen kommen zum gemeinsamen Austausch zusammen. Das Essen: fast besser als in Buchara!

Top 3 Sehenswürdigkeiten in Chiwa:
  • Kalta Minor Minarett: Bekannt für seine türkisfarbenen Fliesen.
  • Tash Hauli Palast: Prachtvolle Innenhöfe und königliches Flair.
  • Djuma-Moschee: Mit 213 kunstvoll geschnitzten Holzsäulen – ein Ort der Ruhe.

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Die Seele Usbekistans

Was Usbekistan wirklich unvergesslich macht, sind nicht nur die Monumente oder Gerichte – es sind die Begegnungen. Die Offenheit, mit der mir als Fremde hier in diesem Land begegnet wird, ist tief berührend. Es ist das spontane „Assalomu alaykum“ auf der Straße, kurze Gespräche woher man kommt und wohin man geht.

Usbekistan ist für mich ein Land, das man nicht nur bereist – es ist ein Land, das man fühlt. Ein Ort, der entschleunigt, der mich lehrt zu staunen und zu vertrauen. Eine Reise für alle Sinne – mit dem Zug durch eine andere Zeit.

Usbekistan bleibt in meinem Herzen und ich werde zurückkehren.

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