Ein weiterer Tag auf dem Manaslu Trek – Auf 3.100m über Null

Ich liege im Schlafsack im Bett. Es ist kalt in dem kleinen Hüttchen, das ich heute mein Nachtlager nennen darf. Die Hütte ist sehr niedlich, umgeben von Bohnenstangen und Kartoffelpflanzen.

Ich bin nun auf 3.100m angekommen. Wie anders die Landschaft hier in Nepal ist im Vergleich zur Landschaft auf 3.100m in Europa, in den Alpen. Hier wächst und gedeiht das Gemüse noch während in den Alpen Flechten und kleine Sträucher den Weg zieren. Irgendwie faszinierend.

Es regnet und ehrlich gesagt ist es etwas ungemütlich.Klamotten trocknen quasi gar nicht. Zu feucht: Häufig starker Regen, Schwitzen… Die Nässe ist einfach überall. Immerhin ist der Schlafsack trocken!

Seit Mittag bin ich hier. Ein kurzer Wandertag. Zum Mittag hatte ich vegetarische Mo:Mo und natürlich eine Kanne Lemon Ginger Honey Tea. Sehr lecker und Flüssigkeit muss sein. Auch wenn ich in der Höhe und von so viel Tee eigentlich ständig Pipi machen muss… draußen im Toilettenhäuschen 🙂

Ich fühle mich etwas dizzy. Ich denke nicht wegen der Höhe, sondern eher wegen der letzten Nächte, die nicht so ergiebig waren. Mit 6h Schlaf bin ich zufrieden. 7h wären besser! Ausruhen tut gut, ich mach vielleicht gleich mal die Augen zu. Dann… später nach dem Schreiben.

Im Moment sehe ich viele neue Dinge. Das ist fast anstrengend und doch auch toll. Es fordert, es zeigt, dass da noch viel zu holen ist auf der Welt. Erfahren durch reisen. Heute unterwegs dachte ich kurz, wie schön wäre es in Italien zu wandern. Gehen mit einer Leichtigkeit und in Gedanken versunken. Nur ich und das Gehen. Keine Überlegungen, wie es sein wird auf 4.500m zu übernachten oder wie die Passüberschreitung wohl werden wird. Da ist der Kopf wieder, den ich anschiebe und der unwillig über Dinge nachdenken soll, die noch nicht dran sind.

Erstmal hier sein! Die Augen schließen, etwas schlummern und ausruhen. Ich fasse mal zusammen, was hier eigentlich gerade passiert:

 

  • Ich bin in Nepal, mitten im Himalaya und auf dem Weg nach oben auf 5100m.
  • Es gibt jeden Tag frisches Essen aus dem eigenen Garten
  • Die Unterkünfte sind mittlerweile sehr süß und niedlich hergerichtet – Sogar Einzelzimmer für mich!
  • Ich habe viel Zeit zum Schreiben und die Gedanken fliegen zu lassen
  • Ich lerne jeden Tag ein bisschen mehr dazu

Soweit so sachlich. Ich werde dennoch nervös. Ich kann nicht einfach weg von hier, zumindest nicht so schnell. Doch will ich das überhaupt? Ist es nicht einfach toll, mal etwas anderes zu sehen und zu hören? Neue Menschen, fremde Kulturen und Traditionen kennenlernen- genau darum geht es doch! Ich schaue mir die Besitzer des Guesthouse an, beobachte, was sie Tag für Tag tun. Wie sehr sich das Leben doch von unserem unterscheidet. Tagein tagaus gärtnern, bauen und handwerken, kochen, Gäste bewirten. Scheinbar kein Stress- zumindest keiner wie wir ihn kennen.

Heute sind mir Kinder nach Schokolade bettelnd hinterher gelaufen. 5 Jahre alt, vielleicht etwas jünger. Ein Leben mitten im Himalaya in einem kleinen Dorf mit wenigen Gasthäusern. Ein enge Welt… und doch so weit.

Ich bin kurz eingenickt, short nap to recover 😉 Jetzt sitze ich im Gastraum, in der Dining Hall, wie das hier überall genannt wird. Ich habe einen Minztee bestellt. Frische Minze natürlich aus dem Garten hinterm Haus. Es geht mir besser. Das Kopfzerbrechen über den Pass habe ich mit einer Frage an den Gastgeber beendet: „Will I need spikes to cross Larke Pass?“. Die Antwort: „No, nowadays no snow, no ice.“. Alles entspannt also: Kein Schnee, kein Slippery 🙂

Und ich widme mich meinem Buch mit dem Känguruh…

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