Dharamsala – ein unwirklicher Ort

Angekommen mitten im Nirgendwo. Sonne, Wolken, Kälte. Nässe vom Schwitzen, die nicht abgewaschen werden kann. Sie muss einfach an mit abtrocknen, wie meine Klamotten, die ich am Körper trage.

Wirklich, an so einem Ort war ich noch nie! Mitten im Himalaya auf einer kleinen Ebene angekommen wundere ich mich über gar nichts mehr. Die Schwelle des Wunderns scheint überschritten. Ich habe den Zustand des Akzeptierens erreicht.

Um mich herum Gras, Flechten, Steine, Wasserläufe, Bäche. Und vollgepackt Esel, die wir ich über den Larke Pass gehen sollen. Auf 5106m! Poor donkeys 🙁

Ich stehe da und starre in die Ferne. Ich sehe grau-grünes Gelände und den Wolken-verhangenen Himmel. Ich höre dem Rauschen des Wassers zu. Ein Schlauch führt von irgendwoher über die Ebene und spuckt klares eiskaltes Wasser aus. Ein ständiger Strom, der sich unerlässlich in den Bach ergibt.

Ich habe die Wahl: Übernachten im Zelt oder in der Blechhütte. Ich entscheide mich fürs Blech. Fenster sind drin, eine eigentlich abschließbare Tür und Matratzen. Die Toiletten- oder besser die Keramiklöcher fürs Geschäft- befinden sich 30 Meter nebenan. Bonne nuit… Das sind weite Wege für meine Höhen-geplagte Blase, die zu allem Überfluss regelmäßig mit Wasser und Tee gefüllt wird. Man will ja keine Kopfschmerzen oder sonstige Symptome der Höhenkrankheit bekommen.

Schön gemacht: Steine säuberlich in eine Ebene gestapelt, Bequeme Matratzen obenauf. UND: Blumenmuster auf den Kissen und Bettlaken. Gemütlich irgendwie und einfach süß. Hier werde ich schlafen, im eignen Schlafsack und bei Bedarf mit extra Decke obendrauf. Ich teile mir die Hütte mit Tal, einer sehr sehr netten Israelin, die ich auf dem Trek getroffen habe. Ob es kalt ist? Ja! Aber später im Schlafsack schon viel weniger.

Strom gibts natürlich keinen. Also Stirnlampe parat gelegt und ab in den Essensraum. Nur damit es klar ist: Es ist keine Mensa oder beheizte warme Stube oder gar ein Gemeinschaftsraum mit Brettspielen. Es ist eine separat stehende Blechhütte im Stile der Unterkünfte mit Tisch und Gartenstühlen aus Plastik ringsherum.

Hier verbringe ich also den Abend. Mit ein paar anderen Verrückten, die es bis hierher geschafft haben. Schweizer, Israeli, Kanadier… und ich 🙂 Essen und Trinken kommen aus der Küche nebenan. Nepali Kitchen, sagen die Guides. Niedlich, die Nepalesen! Ein wirklich nettes Völkchen mit viel Sinn für Gemeinschaft, Freude und das beste aus jeder Situation rausholend.

So verbringe ich den Abend dick angezogen, einer Kanne Tee neben mir mit vielleicht 10 anderen Leuten. Karten spielen, unterhalten, Reiseberichten lauschen. Wir essen; es gibt sogar Spaghetti mit Tomatensauce und Käse! Ein Festmahl hier oben auf 4500m. In der Einsamkeit des Himalaya und in großen Erwartungen auf den kommenden Tag. Dem großen Tag des Aufstiegs zum Larke Pass auf 5106m. Das Bettlager war erstaunlich bequem. Unbelievable!

Im Übrigen habe ich mir die Nacht mit 6 Pipi-Pausen um die Ohren geschlagen… doch davon ein anderes Mal mehr… wie ich mit Stirnlampe unterm Sternenhimmel das beste aus der Situation gemacht haben 🙂

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